Artikel

TAGE DES MESSERS

Das TIKF trifft die

SCUOLA SIRACUSANA

und die

SCUOLA MANFREDONIANA

 

SCUOLA SIRACUSANA

Vom 31.10.2015 bis zum 08.11.2015 stand für alles im Zeichen der Klinge und des Stockes. In München trafen Ossi Senol, Irina Hutzler und ich bei den Days of Budo, zu denen wir freundlicherweise von Antonino Marchese (MAA) eingeladen wurden, auf maestro Raffaele Irmino. Maestro Irmino ist der ältste Meister der scuola siracusana, der Messer- und Stockschule aus Sirakus, Sizilien. Nach zwei sehr interessanten Tagen fuhren wir am Sonntag Abend zu unserem Stützpunkt nach Nürnberg. Dort trafen wir auf unseren belgischen Vertreter Rosario Corvo und auf Clemens David, unseren Mann in Weimar.

Maestro Irmino widmete sich in diesen vier Tagen hauptsächlich der spezifischen Kampfgymnastik und dem Grundlagentraining für Stock und Messer. In der scuola siracusana besteht dieses aus Formen, die alle wichtigen Bewegungskonzepte sowie Fechtstellungen und Listen (astuzie bzw. furbizie) beinhalten. Zu jeder Bewegung gab es die jeweiligen technisch-taktischen Erläuterungen, damit die Übungen stets im Kontext ausgeführt werden können. Auch gingen wir auf die ersten Schrittfolgen ein, die diese Tradition beim Kreisgehen verwendet.

Die Schule legt ihren didaktischen Schwerpunkt zuerst auf stabile Stände bzw. auf kraftvolle Fechtstellungen, die wiederum in diverse Phasen gegliedert sind, um dadurch Momente des “Stillstandes” zu erlangen, wodurch die Fechtstellungen stets revidierbar bleiben. Teil dieses Systems sind vier der bekannteren sizilianischen Traditionen, namentlich die ruotata (kreisende Schule), die fiorata (blumige Schule), die battuta (schlagende Schule) sowie die ‘nsutta (die Schule “von unten”). Die letzt genannte Schule ist direkt and die Methoden der in Italien lebenden Gitanos angelehnt, und entsprechend sind einige Fechtstellungen nach diesen benannt.

Maestro Raffaele Irmino ist ein sehr freundlicher, offener und genauer Lehrer; Details sind seine Leidenschaft. Auch ist er im Alltagsleben frei von Allüren. Und so zogen wir durch Nürnberg, kosteten die regionalen Leckerbissen der Stadt aber auch Trendkost, wie z. B. die vegane Küche. Es waren sehr lehrreiche Tage, vor allem aber Tage des Spaßes und der Freundschaft. Entsprechende Bilder findet man hier:

Bilder auf Facebook   

SCUOLA MANFREDONIANA

Gleich im Anschluss zu München und Nürnberg trafen wir in Neckarsulm auf maestro Salvatore D’Ascanio, unserem Lehrer für die Messertradition aus Manfredonia in Apulien, der eine sehr lange Reise mit dem Bus auf sich genommen hat, um uns zu besuchen. Mit von der Partie war diesmal unser Freund Mario Schmidt sowie auch Mattia, die Tochter des maestro.

Da wir die manfredonische Tradition bereits seit vielen Jahren trainieren und dieser spezifische Zweig über keine standardisierte Formen verfügt, richtete sich das Augenmerk von maestro D’Ascanio von Beginn an auf Kreisschritte, Sprünge, Paraden und Angriffen aus der Dynamik heraus, die in dieser Schule puntate (Stiche) genannt werden. Im Grunde ging es rein um die freie Umsetzung der systemspezifischen Techniken und Taktiken. Damit der Lernende diese relativ schnell verinnerlicht, werden die Bewegungen sofort als halbfreie Partnerdrills ausgeführt. Dies führt dazu, dass vom ersten Tag an auch die Aspekte Distanz und Timing berücksichtigt werden. Von der halbfreien Übung (semi libera) zum freien Gefecht (libera) ist der Übergang fließend. Man merkt ihn zum Teil nicht einmal, da er spontan vonstattengeht.

Maestro D’Ascanio gehört zu den elegantesten Fechter, die ich bisher sehen durfte. Seine Art zu unterrichten ist frei von Umwegen, er zieht nichts in die Länge. Sofern man etwas umsetzen kann, lehrt er sofort den nächsten Schritt, ohne Verzögerungen oder Geheimnisse. Ferner ist er ein sehr sympathischer Mensch und ein guter Freund. Wir hatten Spaß miteinander und lachten viel, was man auf diesen Bildern entsprechend sehen kann:

Bilder auf Facebook

 

DANKSAGUNG / RINGRAZIAMENTI

An dieser Stelle möchten wir uns bei maestro Raffaele Irmino und maestro Salvatore D’Ascanio für die Zeit, Leidenschaft und Aufmerksamkeit bedanken, die sie uns geschenkt haben. Auch erfreuen wir uns ihrer Freundschaft.

Wir werden versuchen, mit Eifer das Erlernte bestmöglich umzusetzen, um dadurch den maestri aber auch diesen wunderschönen Traditione des Südens die nötige Ehre zu erweisen.

Grazie tante, maestri, per l’onore che ci avete dato!

Ossi, Irina, Rosario, Mario, Clemens e Roberto

 

 

 

 

Traditional Italian Knife Fighting

in

Mons, Belgien

 

Am 12./13. April 2014 wurde ich von meinem Freund und Schüler Rosario Corvo nach Mons in Belgien eingeladen. Da ich mich kurz davor zwei Operationen unterziehen musste, bat ich Meister Ossi Senol mich zu begleiten, um gegebenenfalls auszuhelfen.

Rosario Corvo ist unser Partner für Belgien, er vertritt dort das Traditional Italian Knife Fighting und somit auch die ASAMIR, zu welcher unser System gehört.

 Tag 1 – Essen, reden und ein wenig Privattraining

Den ersten Tag verbrachten wir bei Rosario Corvo und seiner Familie. Der Tag war Gesprächen, gutem Essen – mein Dank hier an Rosarios Frau Carine für die ganz leckeren Speisen! – und ein paar Stunden Privatunterricht für Rosario und dessen Sohn Nadio gewidmet.

 Schwerpunkt des Unterrichtes waren vornehmlich die Figuren bzw. Stiche (figure bzw. puntate) der Duelltraditionen aus Apulien und Sizilien, die zu Beginn den Kern des TIKF (Traditional Italian Knife Fighting) ausmachen. Wir behandelten diese zunächst festgelegten Bewegungsfolgen, um vornehmlich Struktur wie auch Stellungsspiel auszuarbeiten.

Abends, nach einem wundervollen Abendessen,  widmeten wir uns den Nahkampftaktiken unseres Systems, welche zum Großteil der bäuerlichen Tradition aus Apulien entspringen. Zunächst lehrte ich Rosario die traditionellen Schläge, darauf folgend die Standardparaden des Systems wie die dazu gehörenden Bindungen für den Nahkampf.

 Tag 2 – Das Seminar

Das Seminarbegann um 10:00 Uhr in Mons. Abgesehen von Rosarios Schülern und weiteren Teilnehmern aus Belgien, reisten auch zwei Teilnehmer aus Deutschland an. Zuerst widmeten wir uns einigen Figuren, um warm zu werden. Daraufhin wechselten wir zur taktischen Umsetzung der Figuren, wobei Ossi Senol und ich versuchten, soweit wie möglich eine didaktische Kette einzuhalten, die stets auf den anfänglichen Figuren aufbaute. Nebst Parade, Ausweichbewegungen und Sprüngen, kam auch der Einsatz der leeren Hand nicht zu kurz, die im TIKF die Funktion eines „Airbags“ einnimmt.

Weiterhin stand auch das Thema Nahkampf im Vordergrund, welcher dann entstehen kann, sofern der Gegner es schaffen sollte, sich uns weiter zu nähern als wir dies möchten. Es ging also darum, bereits beim ersten Kontakt einen Vorteil bezüglich Struktur und Positionierung zu erlangen. Während des Seminars bewährten sich wieder einmal die Italian Duelling Knives, die Hendrik Röber von Trinity Combat Gear für uns angefertigt hatte. Sie ermöglichten eine ordentliche Kontaktarbeit, ohne den Partner jedoch zu verletzen.

Den Abschluss machte der Hirtenstock, wobei wir hier auf nur wenige Figuren eingingen und vornehmlich eine catenella, eine kleine Kette praktizierten, welche die Grundprinzipien für Schlag und Parade lehrt.

Nach dem Seminar ging es abschließend mit einigen Teilnehmern zum Abendessen ins Zentrum von Mons. Ich probierte Hase mit Pflaumensoße, eine belgische Spezialität, die wahrlich zum Anbeißen ist.

Bilder

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Danksagung 

An dieser Stelle bedanke ich mich bei Rosario Corvo, bei dessen Frau Carine und bei dessen Söhnen, die uns mehr als gastfreundlich aufgenommen haben, für alle erhaltenen Geschenke und besonders dafür, dass sie für Ossi all die leckeren türkischen Spezialitäten auftischten. Bei Ossi Senol bedanke ich mich für die große Unterstützung während dieser zwei Tage, für eine Sicherheit also, die ich ohne seine Anwesenheit aufgrund meiner Verletzungen nicht gehabt hätte. Bei allen Teilnehmern bedanke ich mich für die Zeit, die sie uns gewidmet haben und für ihre Leidenschaft und Freundlichkeit.

Roberto Laura & Ossi Senol                                                                                                               Maestri ASAMIR

 

 

Sizilien, Juni 2013

Scuola Ruotata – das kreisende Messer aus Riposto

 

Meine Reise führte mich zwischen dem 15. Juni und dem 18. Juni 2013 wieder nach Sizilien. Dieses Jahr stand das kreisende sizilianische Messer, das sogenannte Corto Ruotato Tradizionale, im Vordergrund wie aber auch der Abschluss der blumigen Schule.

Nach einem reichhaltigen, leckeren und sehr günstigen Fisch und Meeresfrüchte Buffet in der Bucht von Giardini Naxos, mit einem herrlichen Blick auf das nächtliche Taormina, beredete ich mit den Meistern der A.S.A.M.I.R.-International den Ablauf der nächsten Tage.

Am Morgen darauf gingen wir in Calatabiano ein letztes Mal die Schlüsselpunkte und Feinheiten der Scuola Fiorata Moderna, der neuen blumigen Schule durch, korrigierten hie und da Feinheiten. Nach circa drei Stunden Training war dieses Kapitel abgeschlossen, der neue blumige Stock wie auch das neue blumige Messer darf ich nun mein nennen.

Am Nachmittag ging es weiter nach Riposto, zur Heimat des traditionellen Kreisenden Messers (Corto Ruotato Tradizionale). Der anerkannte Meister aller Meister, Salvatore Scarcella, wies mich in die ersten Lektionen ein, zeigte mir einige Grundpositionen wie auch ein wenig Stellungsspiel und Einladungen.

Am Tage darauf hatte ich die Ehre mit Maestro Orazio Barbagallo die Lektionen zu wiederholen und die Konzepte und Taktiken der kreisenden Messerschule aus Riposto mit denen anderer sizilianischer Messerschulen zu vergleichen. Maestro Barbagallo zeigte mir in einem sehr langen Training – wir beschäftigten uns trotz der Hitze an die 4-5 Stunden mit den diversen sizilianischen Messerschulen! –  die Konzepte des königlichen Messers (Scuola Riali) und auch die der Messerschule aus Messina; das Blumige Messer zogen wir zum Vergleich mit der kreisenden Schule natürlich auch her. Wohlgemrkt habe ich nicht jede diese Messerschule an diesem Tag erlernt, vielmehr haben wir uns mit den Hauptunterschieden beschäftigt, mit Stärken und Schwächen.

Hier eine kleine Übersicht der einzelnen Schulen, die innerhalb der A.S.A.M.I.R. vermittelt werden. Es fehlen die verschiedenen Systeme des Hirtenstockes und Spazierstockes, da dieser Artikel auf das Messer ausgerichtet ist. Jedoch kann man sich einfach merken, dass jede Messerschule mindestens ein entsprechendes Stocksystem ihr eigen nennt.

Obgleich sich die einzelnen sizilianischen Messerschule unterscheiden, gibt es auch viele Gemeinsamkeiten. Man sollte wissen, dass die süditalienischen Duellmesserschulen sich grundsätzlich ähneln, in Formm, Taktik wie auch in der Didaktik.; man könnte es vielleicht mit der italienisch-mediterranen Küche vergleichen, die hie und da zwar regionale Unterschiede aufweist, strukturell jedoch auf den gleichen Pfeilern aufgebaut ist. Die sizilianischen Messerschulen im Einzelnen:

Corto Ruotato Tradizionale Die Schule des kreisenden Messer stammt aus der Hafenstadt Riposto im Osten der Insel. Sie gilt als eine der ältesten Messerschulen der Insel und aus ihre entwickelte sich nach dem Krieg die blumige Schule. Das kreisende Messer ist eine sehr geschlossene Form des Messerfechtens, der Brustbereich wird stets abgeschirmt. Im Ganzen besteht sie aus sechs Lektionen und der dazugehörigen Schulung (ital. insegnamento).

Corto Fiorato Tradizionale e Moderno Diese blumige Schule, modern wie traditionell, gleicht der des kreisenden Messers, ist jedoch geringer im Umfang (sie besteht aus nur drei Lektionen). Die Deckung ist etwas offener als die der kreisenden Schule, die Eleganz nimmt eine große Rolle ein. Auch verfügt diese Schule über einen Tritt, was die Schule des kreisenden Messer nicht aufweist.

Corto Riali Tradizionale Während die königliche Schule aus Palermo einen extrem mächtigen Zweihänderstock verwendet, ist das Messer eher kurz, jedoch verfügt es über eine recht breite Klingenform. Der Schwerpunt des Riali-Messer liegt im Schneiden, was für die typischen Duellschulen aus der Region Catania eher untypisch wäre.

CortonMessinese Diese Messerschule aus Messina verwendet entweder ein sehr langes Messer (ca. 70cm) oder gleichzeitig zwei kurze Klingen (gleich verhält es sich bei deren Stockkampf). Während das lange Messer zweihändig geführt wird – wegen des Gewichtes -, führt man die Doppelmesser folgerichtig einhändig, d. h., in jeder Hand eines.

Ich bedanke mich für die schönen Tage, für die Gastfreundschaft und für den Unterricht, den ich innerhalb der A.S.A.M.I.R. genießen darf. Auch bedanke ich mich bei Maestro Barbagallo für die originalen Paranze (siziliansiche Trainignsmesser aus Holz) wie auch für die wunderschöne Trinacria (das Wappen Siziliens) aus Terracotta.

Roberto Laura, 20.06.2013

 

 

Workshop italienischer Messerkampf beim SC Amorbach – Aikido

Ein kleiner Artikel in unserem Neckarsulmer Blatt über den ersten Workshop für italienischen Messer- und Stockkampf beim SC Amorbach Aikido am 17. März 2013.


 

 

Himmel und Wunder

Eine weitere Reise zu  ans Adriatische Meer, um den bäuerlichen Nahkampf mit dem Messer zu erlernen

 

Zwischen dem 22. Februar und dem 24. Februar 2013 zog es mich erneut ans Meer und an die Sonne. Diesmal wieder an die Adria. Das Ziel meiner Reise war ein Treffen mit einem der beiden verbliebenen Stilerben für das traditionelle bäuerliche Messer aus Apulien.

 Letztes Jahr standen vornehmlich Engraumkonzepte auf dem Programm, sodass wir uns dieses Jahr vermehrt dem Verhalten in der langen Distanz widmen wollten. Der erste Tag begann und endete mit Speis, Trank und einen Spaziergang durch die Nacht; das deshalb, da mein Flieger erst spät landete; bei angenehmen 16 Grad tut ein wenig Bewegung aber wirklich gut.

Tags drauf begann das Training bereits in der Frühe: Diese Schule wurde (der Erzählung nach)  vor circa 200 Jahren u. a. dafür entwickelt, um sich gegen die Übergriffe der Handlanger der Syndikate zu verteidigen. Demnach sind Konzepte und Taktiken gerade dahingehend ausgerichtet, sich gegen Systeme zu verteidigen, die auf der langen Distanz beheimatet sind, also z. B. gegen die im Süden Italiens vorhandenen “Duellschulen”. Die Bauern der Murgia (so heißt die Gegend rund um die Gründerstadt Canosa) sind jedoch sehr bescheiden und behaupten stets, ihre Schule würde über keine besonderen Konzepte verfügen, um sich in der langen Distanz behaupten zu können – dem ist aber nicht so.

Es handelt sich um eine intelligente und zugleich aggressive Schule des Kampfes, die die Konfrontation sucht. Sie verfügt über ein vielseitiges Stellungsspiel, verwendet geometrische Vorteile, spielt klug mit der Distanz, verändert die Tempi et cetera.

Meine ersten Lektionen widmeten sich der Prinzipienlehre und der Anwendung des Risses, des Zeichens, der Firmung und des Schnittes. Zudem behandelte der Maestro dem Riss artverwandte Konzepte, wie den Riss mit Raub und die Kerze. Auch wurde der Einsatz der „Heugabel“ auf der langen Distanz eingeschliffen, die spassi, die Meidschritte, eingebaut, und letztendlich wurde am Ende die lange Distanz mit den Nahkampfkonzepten kombiniert.

Im Ganzen war es eine lehrreiche Erfahrung, die mir viel Spaß und Wissen schenkte. Ich stehe noch am Anfang dieses Systems, das ich mit meinen langjährigen Schülern und Freunden teilen darf.

 

Roberto Laura, Neckarsulm, 05.03.2013

 

 

 

Chicago 2012

Traditional Italian Knife Fighting in den USA

by Roberto Laura

 

Über Vorurteile

Amerikaner gelten in Europa oft als ungebildet, unkultiviert und politisch uninteressiert. Man sagt auch, das Essen sei schlecht in den USA und auch, die Amerikaner seien oberflächlich in ihrem Wesen. Doch das ist falsch!

In Chicago habe ich Menschen kennenlernen dürfen, die mit zu den gebildetsten, kultiviertesten, höflichsten, freundlichsten und hilfsbereitesten gehören, die mir bisher über den Weg gelaufen sind. In Chicago habe ich hoch interessante politische Gespräche geführt, von amerikanischer Innenpolitik über transatlantische Partnerschaften, europäischer Integration bis hin zur Situation im Nahen und Mittleren Osten wie auch bezüglich der Entwicklung der asiatischen Märkte.

Über stilvolle Inneneinrichtung bis hin zum Kunstverständnis, alles war in Fülle vorhanden; vor allem waren Bezug und Verständnis zu meinen Künsten, durch das jahrelange Studium der italienischen Fechttradition der Meister de Liberi, Vaddi und Fabris so stark ausgeprägt, wie selten zuvor auf einem Seminar. Ich habe feinstes Essen vorgesetzt bekommen, gutes Bier gekostet, eine unglaublich aufregende, multikulturelle Stadt vorgefunden, die so viel zu bieten hat, dass es eines Lebens bedürfte, um sie gänzlich ergründen zu können.

 

14.11. 2012 – Über den Atlantik, und das Haus!

Greg Mele, einer der beiden Eigentümer des Forteza Gyms in Chicago, holte mich am Vormittag vom Flughafen ab. Wir fuhren direkt über den Highway nach Aurora, zu Nicole Allens „Haus“, welches für die nächsten vier Tage mein Zuhause werden sollte. Da Wort Haus trifft in diesem Falle nicht ganz zu, da es eher an ein kleines, hölzernes Kastell erinnert, welches, mit feinstem Geschmack, teilweise im mittelalterlichen, teilweise im verspielt viktorianischen Stil eingerichtet ist. Von außen betrachtet wirkt es hingegen wie eine Art erwachsene Form der Villa Kunterbunt. Nicole Allen selbst ist eine wundervolle Frau, die, um es klassisch-musisch auszudrücken, als vivace und allegro bezeichnet werden muss; sie ist warmherzig, offen und stets bereit, dem Gast das Gefühl zu geben, Teil der Familie zu sein. Nicole hat zwei große Hunde, d`Artagnang und Christo, die, durch ihre Größe und ihre lebhafte Präsenz, dem Anwesen zusätzliches Leben einhauchen. Sie ist zudem eine begnadete Künstlerin, Modedesignerin ihres Zeichens, spezialisiert auf mittelalterliche Kostüme wie auch eine wundervolle Malerin und Innenarchitektin, mit einem ausgeprägten Gefühl für Farben und Stil. Mir war ein eigenes, wunderschönes Zimmer in Samtrot gewährt worden; nebenan wohnte der Fechtmeister Sean W. Hayes aus Eugene (Oregon), ein feiner, warmherziger Mensch, demütig und sehr kultiviert.

Zum Frühstück gab es abwechselnd Strata, eine hervorragend mundende Art italienisches Ofengebäck aus Teig, Käse und Spinat; zudem noch Porridge oder Müsli mit Joghurt.  Abends hatten wir Minestrone und feinsten Braten mit Pasta, und als Dessert eine Variation der Pêche Melba. Nicole ist eine Meisterköchin, und ich war ihr tief dankbarer Gast!

 

15.11.2012 – La Salle d`Armes

Am Tag darauf begann unser erstes Training in der Kleingruppe – wohlgemerkt im hauseigenen Fechtsaal! Dort trafen Greg, Sean, Nicole und ich dann auf Keith Jennings, dem Mitbesitzer von Forteza, und den Forteza-Intruktoren Jesse Kulla und Treyson Ptak. Da der Fechtsaal letztendlich doch seiner räumlichen Grenzen hatte, widmeten wir den ersten Tag dem Messer; hier stand die apulische Duellschule im Vordergrund, da diese dem Curriculum nach relativ anspruchsvoll ist. Angesagt waren die erste Schule bzw. Form, welche die wichtigsten Elemente des ersten der fünf Lehrschritte, der Libera (die Freie), enthält: Stich, Parade, Spiel (Figurenlauf im Kreis), Finte und den Tritt.

Das Training dauerte an die sieben Stunden, wodurch sich erschließt, dass wir im Anschluss ziemlich hungrig waren. Wir „beendeten“ den ersten Trainingstag entsprechend in einen nahgelegen Pub mit riesigen Hamburgern und leckerem, deutschen Bier.

Gambetto Genovese

Vor dem Zubettgehen zeigte ich Sean und Greg noch Elemente und Taktiken des Gambetto Genovese, einer Kunst der waffenlosen Verteidigung, deren genaue Herkunft bis heute nicht geklärt werden konnte. Das Gambetto verfügt über Brüche, Würfe und über besondere Schlagkonzepte, um sich auf engsten Raum zur Wehr setze zu können.

 

16.11.2012 – Entering Forteza

Auf dem Weg von Aurora nach Chicago konnte ich erstmalig die Skyline der Stadt bewundern, die, einer riesigen Gebirgskette gleich, über den Menschen zu thronen scheint.

Das Forteza Gym ist primär ein großer Fechtsaal. Stilistisch ist es dem späten 19. Jahrhundert und dem frühen 20. Jahrhundert zuzuordnen, wobei – speziell im Obergeschoss – demnächst eine Lounge im viktorianischen Stil erblühen wird. Der Fitnessbereich ist wiederum im heutigen Zeitgeist gestaltet, wodurch eine Art Zeitfenster entsteht, eine wundervolle Brücke von der Vergangenheit zur Moderne. Der zweite Tag mit der Kleingruppe war dem sizilianischen Hirtenstock gewidmet, der Scuola Fiorato, was übersetzt Blumige Schule bedeutet (ein Name, den die Schule aufgrund ihrer Eleganz und Schönheit trägt). Im Vordergrund standen die erste Form dieser Stilrichtung wie auch entsprechende Partnerübung und Erläuterungen zu Technik und Taktik. Für meine amerikanischen Freunde war die Umsetzung relativ verständlich und leicht, da sie durch das Studium des Zweihandschwertes nach Fiore dei Liberi eine sehr ähnliche Form der Waffenführung kannten und ihnen die Positionen wie auch gewisse strategische Ansätze verwandt erschienen.

Abgesehen vom Training mit dem Stock, widmeten wir uns in diesen sechs bis sieben Stunden erneut dem apulischen Duellmesser, wobei wir hier den Schwerpunkt weg von der Form, hin zum Insegnamento, der technischen Partnerschulung, verlagerten.  Auch hier reichte es meinen Freunden zum Vorteil, dass sie im  italienischen Stoßfechten nach Fabris bzw. – in Seans Fall – auch in der klassischen römischen Fechtschule beheimatet sind. Sie verstanden die Methodik schnell; die Umsetzung der Bewegung funktionierte gut; wir hatten alle riesig viel Spaß.

Dinner

Das Pub, zu dem es uns am Abend verschlug, ist gewiss zwei Sätze wert. Abgesehen von sehr leckeren Hauptspeisen, konnte ich eine Variation des Popcorn schmecken, welche mir in dieser Form nicht bekannt war: Popcorn überbacken mit Käse und Speck. Es klingt nicht besonders, mundet aber so; ich kann nur jedem empfehlen, diese Variation zu probieren!

 

17.11.2012 – Seminar, Tag 1

Die Zielsetzung des ersten Tages war ein Überblick der mir bekannten süditalienischen Messerschulen. Hierzu zählen, nebst der bereits angesprochenen apulischen Duellschule, auch das Duellmesser der Scuola Fiorato aus Calatabiano, Sizilien, wie auch ein bäuerliches Nahkampfsystem  aus Apulien; die Ruotato-Schule gingen wir nur ansatzweise an, da ansonsten der technische Rahmen überlaufen würde; abgesehen davon bin ich in dieser Schule nicht so firm, dass ich diese ohne weiteres weitergeben möchte.

Den Teilnehmern, die aus verschiedenen Bundesstaaten der USA angereist waren, erschlossen sich Regeln und Logik der italienischen Messertradition schnell. Sie waren leidenschaftlich in der Sache, konzentriert und lernbegierig. Es war interessant oder vielmehr erstaunlich, dass ich erst über den Atlantik fliegen musste, um mich während eines Seminares frei der italienischen Fechtnomenklatur bedienen zu können; dies war mir bisher nicht einmal in Italien möglich gewesen, da einfach die Wenigsten sich tiefgehend damit befassen; und dann heißt es, Amerikaner seien unkultiviert; die Reise hat mir anderes aufgezeigt.

Fountainhead Pub

Man höre und staune, aber in diesem herrlichen Pub wurde mir ligurische Küche, also Küche u. a. aus meiner norditalienischen Heimat serviert – Polenta! Polenta ist im Grunde ein Maisbrei, der auf verschiedene Weisen zubereitet werden kann und gerade für Fleischgerichte als Beilage dient. In Chicago wurde es in eine Vorspeise gewandelt, verfeinert mit Krabben, Maistückschen und Käse. Ich muss gestehen, dies war Speis vom Feinsten. Auch hatte ich Gelegenheit, Sierra Nevada-Bier zu kosten, ein amerikanisches Weizenbier, welches, meiner bescheidenen Meinung nach, sich nirgends zu verstecken braucht.

 

Skyline bei Nacht

Auf dem Rückweg nach Aurora zeigte mir Greg die Skyline von Chicago bei Nacht. Leider gelangen mir keine vorzeigbaren Bilder, jedoch bitte ich, mir zu glauben, wenn ich sage, dass es ein beeindruckendes Bild ist, welches sich dem Besucher dort offenbart!

 

18.11.2012 – Seminar, Tag 2

Der ganze zweite Tag des Seminares war dem Hirtenstock gewidmet, der Scuola Fiorato (ASAMIR). Um die Faktoren Spaß und Überblick zu erhöhen, hielten wir uns nicht allzu lange an der Form auf, vertieften stattdessen Schlagschule und Parade wie auch den Fiorato eigenen Nahkampf mit dem langen Hirtenstock, die dazugehörige Überbrückung des Raumes et cetera. Alle hatten sichtlich Spaß und Freude. Im Anschluss gab es noch einmal ein 3-Stündiges Kleingruppentraining für die Trainer der jeweiligen Gruppen, um das Messer in all seinen Facetten zu vertiefen bzw. dafür zu sorgen, dass das Erlernte besser verstanden wird, besser im Gedächtnis weilt.

In Kürze werden Seminarbilder folgen, die ich in einem Album zusammenfassen werde, wie auch eventuell einige Videosequenzen!

Chicago Pizza

Zur Stärkung gab es zwischen den Einheiten die Chicago Pizza, eine Variante der klassischen Pizza aus Italien, jedoch dicker und reichhaltiger als das Original. In der Regel bedarf es eines einzigen Stückes, um sich zu sättigen. Dies ist also eine sehr preisgünstige Lösung; und zudem schmeckt sie wunderbar.

Fiore dei Liberi

Abends, nach harter Arbeit, diskutierten Greg, Sean und ich noch über die Interpretationen der Tafeln de Liberis. Basierend auf den neuen Erkenntnissen, welche die Beiden durch den Fiorato-Stock gewinnen konnten, begannen sie gewisse Deutungen aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten; zumindest folgten sie interessiert meinen laienhaften Ansichten dazu, da die Fiorato-Schule eben teilweise über die gleichen Ansätze und Stellungen wie auch Taktiken verfügt, nur, dass diese als lebendige Tradition stets weitergegeben wurde. Es waren hoch interessante Gespräche über das Fechten, wie ich sie schon lange nicht mehr geführt hatte.

 

19.11.2012 – The Windy City and then leaving on a jet plane

Der letzte Tag war gänzlich Chicago gewidmet, der Windy City. Greg führte mich fast durch ganz downtown, zeigt mir die wichtigsten Gebäude und Museen der Stadt, die Parks, den Strand und natürlich auch the bean, dem eigentlichen Wahrzeichen der Stadt, diese kaum zu definierende bohnenartige Skulptur, welche als riesiger Spiegel von der Skyline, dem See, der Sonne bis hin zum einzelnen Bürger alles absorbiert und reflektiert, was Chicago ausmacht. Wir speisten letztendlich im Millers, dem ältesten Pub der Stadt, um dann, gesättigt, the Windy City wieder zu verlassen, Richtung Airport, Richtung Heimat. Chicago ist beeindruckend, riesig, jedoch nicht erdrückend; Chicago ist multikulturell, intellektuell und musisch; Chicago hat amerikanische Geschichte geschrieben: die ersten Wolkenkratzer wurden hier gebaut, Capone hatte einst die Stadt fest im Griff; Chicago hat den ersten afro-amerikanischen Präsidenten hervorgebracht.

 

 

Danksagung

Mein Dank gilt Gregory Mele und Keith Jennings vom Forteza Gym, dass sie mich eingeladen haben und mir somit ermöglichten, meine italienischen Traditionen in den USA vorzustellen, die stets zuvorkommend waren und mich als Teil der Forteza-Familie in ihre Arme geschlossen haben; mein Dank gilt Nicole Allen, die mir Ihr kleines Kastell als Heimat angeboten hat und für all Ihre Gastfreundschaft und Fürsorge; mein Dank gilt Sean W. Hayes, der mit Nicole und Greg und mir herrliche Gespräche über Politik, Kultur und Fechten geführt hat, und für seine feine, stille freundschaftliche Höflichkeit und all die netten Worte des Lobes. Mein Dank gilt Trey und Jesse für ihre Leidenschaft und Unterstützung und ihr sympathisches Wesen  (Jesse Kulla, der mir durch seine Massage das Leben wesentlich erleichtert hat, möchte ich explizit nochmal erwähnen); mein Dank gilt Rachel und Rose Mary, die alleine durch ihre Anwesenheit den Sonnenschein bis in die Halle getragen haben; mein besonderer Dank allen Teilnehmern, für ihre freundliche, interessierte und konzentrierte Hingabe und Ernsthaftigkeit beim Seminar; letztendlich  mein Dank an meinen Freund Jörg Bellinghausen, der dieses Seminar überhaupt ermöglicht hat und an meinen Freund Christian Eckert, der so freundlich war, mich zum Flughafen zu fahren und auch wieder abzuholen, in dessen Haus ich über Nacht Gast sein durfte.

 

Roberto Laura (Maestro ASAMIR)

 

 

 

 

 

 

 

AD ARMA! 2012

 

Einleitende Gedanken Einst hatten mein Freund Dennis „D-Nice“ Gluska und ich die Idee, eine Veranstaltung auf die Beine zu stellen, die sich rein den europäischen Fechtkünsten widmet: den volkstümlich-traditionellen wie auch den historischen Künsten vergangener Epochen. Leider führten gewisse Umstände dazu, dass sich unsere Idee nicht wie geplant realisieren ließ. Wir begannen also von vorne. Und dadurch war es uns wieder möglich, unser Projekt, unser geistiges Gut erneut und mit Elan anzugehen; die ursprünglichen Gedanken weiter zu verbessern; die Meister einzuladen, die unsere Ideologie teilen und auch der Veranstaltung einen glanzvollen Namen zu verleihen:

Ad Arma! – zu den Waffen! Die Renaissance des europäischen Weges der Kampfesführung!

Die Ruhe vor dem Sturm … Ende September war es dann soweit, das einst von Dennis „D-Nice“ Gluska und meiner Wenigkeit ins Leben gerufene Ereignis fand endlich so statt, wie wir es uns erträumt bzw. ausgedacht hatten!

Am 27. September landeten die sizilianischen Maestri Orazio Barbagallo und Luigi Casale am Flughafen Stuttgart. Es folgte ein kleines gemütliches Abendessen im Capriccio in Neckarsulm, wo auch mein guter Freund und Schüler Clemens David wie auch meine Schüler aus Moskau, Andrey Afanasev und Pavel Gribanov zugegen waren. Tags darauf folgte eine Besichtigung der mittelalterlichen Kaiserpfalz Bad Wimpfen.

Nachmittags gab es eine Überraschung für uns alle, da mein Lehrer für Bastone Genovese, des genuesischen Stock- und Messerkampfes, Maestro Claudio Parodi, samt drei Freunden aus Genua angereist ist, um bei Ad Arma! zuschauen zu können. Abends ging es dann gemeinsam in die Südstadt nach Karlsruhe, um bei Gigi in der Wilhemlstraße ganz lecker Pizza, Pasta und Steak zu essen. Sehr empfehlenswert!

 

Der erste Tag … Morgens gegen 09:00 Uhr holten Clemens David und ich Meister Jörg Bellinghausen am Hauptbahnhof Karlsruhe ab. Meister Alex Kiermayer reiste mit dem Auto an. Gegen 10:00 Uhr waren alle, Teilnehmer wie Meister, in der Halle des PSV-Karlsruhe. Um 10:30 Uhr erfolgte die offizielle Vorstellung der Referenten seitens Roberto Laura, und ohne lange Reden zu halten, ging es auch gleich mit den Einheiten los:

 

Das mittelalterliche Dolchfechten nach Andreas Liegnitzer und Joachim  Meyer … Maestro Jörg Bellinghausen begann seine Einheit mit einer kleinen Erklärung zu Geschichte, Kultur und Überlieferung „seiner“ Schule. Auch während der gesamten Einheit würzte er die Übungen mit geschichtlichen Leckereien, mit Zitaten aus diversen Überlieferungen und eben durch die Erklärung der damals vorhandenen Umstände wie Kleidung und so weiter.

Die Dolchschule nach Liegnitzer und Meyer zeichnet sich durch Pragmatismus aus, ohne dabei Haltung und Ausdruck aus dem Auge zu verlieren. Im Sinne des einstigen Zeitgeistes folgen alle Aktionen dem klaren Ziel, sich seiner Haut mit allen Mitteln zu erwehren; es ist eben eine Kunst des Schwertes, und Schwerter dienten dem Ernst.

Die Aktionen „spielen“ zumeist in der mittleren und nahen Distanz – demnach kein Duell! -, zielen klar auf vitale Punkte, verschenken keine Zeit. Schnitte sind lediglich zu Zielen gerichtet, die nicht durch Kleidung geschützt waren – man schnitt also rein zu den Händen und zum Hals. Alles andere erledigt der tödliche Stich. Der Dolch wird, wenn gezogen, entweder hoch über Kopf, in leicht seitlicher Vorhalte (Eispickgriff), oder seitlich an der rechten Hüfte positioniert. Nebst direkten Konteraktionen, kommen auch Hebel und Gegenhebel mit dem Dolch zum Tragen.

 

Und dann kamen die Maultaschen … Nach dem Fechten wurde gegessen. Lecker Maultaschen gab es von der lieben Anne Gluska, die der Bitte ihres Sohnes gefolgt ist, und mit ihrem Mann nebst selbstgemachten Maultaschen auch selbstgemachten Kartoffelsalat und auch feinen Kuchen mitgebracht hat! Auch gilt mein Dank Mario Schmidts Liebe, Sonja, die ebenfalls einen ganz leckeren Marmorkuchen beigesteuert hat!

 

Apulischer Messerkampf – Duell und Selbstverteidigung … In  meiner Einheit widmete ich mich zuerst dem Coltello Pugliese da Duello,  dem Duellfechten aus dem Norden Apuliens. Wir versuchten uns an der ersten kleinen Form, vor allem an den Komponenten Gruß, Trennungs- bzw. Teilungsschritte, dem Tritt und dem Meiden. Zuerst übte jeder für sich, dann wurden die entsprechenden Lektionen der Form mit Partner erarbeitet. Das Ziel waren Tempo, Mensur und Eleganz.

Der zweite Teil meiner Einheit widmete sich der bäuerlichen Selbstverteidigungsschule mit dem Messer aus Apulien. Diese Schule entstammte den Bauern in den Olivenmühlen und Schäfern, die all ihr Hab und Gut gegen Banditen und Briganten schützen mussten. Hier lag unsere Aufmerksamkeit auf der Heugabel-Parade, dem Konzept der Rationalität und auf dem Prinzip “Schulter an Schulter”.  Bei dieser Schule geht es darum, ähnlich wie beim mittelalterlichen Dolchfechten, den Kampf schnellstmöglich zu beenden. Es ist die einzig mir bekannte italienische Schule, die über eine fundierte Methodik für den Nahkampf mit dem Messer verfügt.

 

Ehrungen … Direkt nach meiner Einheit bat Maestro Barbagallo mich wie auch Ossi Senol und Rupert Sedlmayr zu sich, und versammelte auch alle Teilnehmer, um uns mit einer Überraschung zu würdigen. Abgesehen zu den wunderschönen Kampfstöcken aus Wilder Olive, die uns die Maestri mitgebracht hatten, führten sie auch Urkunden in ihrem Gepäck.

Maestro Barbagallo überreichte mir die Urkunde als hauptverantwortlicher Vertreter der ASAMIR in allen anfallenden  Angelegenheiten, für alle vorhandenen Systeme und Schulen wie auch für alle anfallenden Seminare und Veranstaltungen.

 

Mein Lehrer, Maestro Luigi Casale, übergab mir die Urkunde als Hauptverantwortlicher für technische Leitung der Fiorato Moderno, der Blumigen Schule in Deutschland.

Und mein genuesischer Lehrer, Maestro Claudio Parodi überreichte mir mein Lehrerdiplom für das Bastone Genovese, den genuesischen Stock- und Messerkampf.

Ossi Senol wurde die Verantwortlichkeit für die Neue Kreisende Schule, die Ruotato Moderno, für ganz Deutschland verliehen, und Rupert Sedlmayr erhielt die Verantwortlichkeit für die Scuola Riali, die Königliche Schule, für ganz Bayern.

 

 

 

An dieser Stelle möchten wir uns, Rupert Sedlymayr, Ossi Senol und meine Wenigkeit, für dieses Vertrauen und diese Ehre von ganzem Herzen bedanken!

 

Scuola Ruotato – die kreisende Schule mit dem Hirtenstock … Nach einigen Aufwärmübungen mit dem Hirtenstock, den storcimenti, stellte Maestro Barbagallo die kleine Schrittform vor, welche vor allem die Beine auf dynamische Stände vorbereiten soll, und wechselte dann zur ersten kreisenden Form der modernen Variante der Scuola Ruotato. Passend zur Form wurden Schlag- und Paradeübungen durchgeführt. Alle sizilianischen Schule gemein folgen dem Prinzip, dass bei Schlagausführung der eigene Kopf geschützt sein muss; auch ist es notwendig sich so auszurichten, dass Parade und Konter – sei es Hieb oder Stich – eins sein könnten bzw. der Wechseln von einem in das andere flüssig verläuft. Hierfür hat der Maestro eine Folge aus neun (9) Schlägen üben lassen, die eben all die erwähnten Prinzipien schult.

Die Ruotato Moderno ist eine sehr wuchtige Schule. Sie basiert auf der Ruotato Tradizionale, hat jedoch eine veränderte, eine verfeinerte Didaktik, die den athletischen Ansprüchen der modernen Kampfesführung gerecht wird. In Deutschland wird diese Schule künftig von Maestro Ossi Senol unterrichtet.

 

Im Pizzahaus Abends ging es dann wieder gemeinsam zum Essen, diesmal aber ins Pizzahaus nach Karlsruhe. Was gibt es zu sagen? Die Bedienung war nett, das Essen lecker, die Laune hervorragend!

 

 

 

Der zweite Tag

Rapierfechten nach Joachim Meyer … Maestro Alex Kiermayer übernahm am zweiten Tag von Ad Arma! Die erste Einheit. Zu Beginn stellte er eine kleine Waffensammlung vor, die nebst Rapiere aus Deutschland, Spanien und Italien auch den Dusack enthielt; ein kleiner geschichtlicher Abriss über das Rapierfechten  und über den Meister Joachim Meyer rundetne die Einleitung ab.

Die Praxis begann mit Erläuterungen und Übungen zu Stand, Schritt, Versatz und Führung der Waffe. Es wurden Stich wie auch Hiebe behandelt, in Stand wie auch mit Ausfall. Daraufhin folgten einfach Übungen zu Angriff und Riposte (Parade), welche zunehmend komplexer wurden bzw. auf unterschiedlichen Ebenen – in der Vertikalen und auch mit Versatz – stattfanden. Bei Meyers Schule handelt es sich um eine sehr ausgewogene und vollständige Systematik der Schwertkunst (näher Infos im Buch von Alex Kiermayer: …). Sie besticht durch Feinheiten und bezieht Stich und Schnitt gleichwertig mit in die Kalkulation; entsprechend wird, anders als bei z. B. Salvatore Fabris, die freie Hand weniger in Vorhalte geführt, da diese durch starke Hiebe schwer verletzt werden könnte.

 

Die Scuola Fiorato – die blumige Schule aus Calatabiano, Sizilien … Die letzte Einheit bei Ad Arma! gebührte meinem Lehrer Maestro Luigi Casale. Die Blumige Schule stammt aus dem Städtchen Calatabiano am Fuße des Etna. Sie entstand aus der Ruotato-Schule, unterscheidet sich zu dieser jedoch durch die Verwendung höherer Deckungen, beidhändigem Einsatz wie auch durch eine besondere Eleganz, welche u. a. dadurch entsteht, dass bei gewissen Schlägen der Stock sprichwörtlich eine Blume über dem Kopf des Anwenders bildet.

Maestro  Casale zeigte zuerst einige Wirbelschläge, um einen Bewegungsfluss zu erzielen. Danach folgten einige Lektioen der ersten modernen Form, darunter auch der recht komplexe Flug des Engelchen, die Sicht- wie auch die Tänzerschritte. Abgerundet wurde der Stock durch Schlag- und Paradeübungen, wobei hierbei sowohl die Standardparaden wie auch die beidhändigen, blumigen Paraden für den Nahkampf  behandelt wurden.

Abschließend gewährte der Maestro noch einen kleinen Einblick in das blumige Messer, stellte kurze Lektionen vor, die sich der Eröffnung, dem schiacciata, dem Stich, der Finte wie auch dem Tritt widmeten. Und auch dies wurde in Partnerübungen ausprobiert.

 

 

Aller Tage Abend … Alles neigt sich irgendwann dem Ende, auch – und besonders! – die schönsten Zeiten gehen am Schnellsten vorüber. Es galt, Lebewohl zu sagen. Ein letztes Abendessen mit Ossi, Irina, Ralf und Jan, unseren zwei Gästen aus Moskau Andrey und Pavel (thanks for coming my friends!) und natürlich den Maestri. Ein kleines Mittagessen am Tage des Abfluges, Pläne schmieden für die Zukunft, die Freundschaft pflegen, alles ausklingen lassen und mit Geduld warten, bis es wieder mal heißt: Ad Arma! … zu den Waffen!

 

Danksagung … Allen, die mir geholfen haben, Ad Arma! auf die Beine zu stellen, gilt mein tiefster Dank! In freier Reihenfolge:

Maestro Casale (mein Lehrer!), Maestro Barbagallo (mein Förderer!), Maestro Parodi (meine erster Mentor!), Maestro Bellinghausen (für die USA, wegen des Dolches etc.!), Maestro Kiermayer (für das, was Du gerade für mich tust!), Maestro Senol (einfach für alles!), Rupert Sedlmayr (für Deine Unterstützung!), der Famile Gluska (für Maultaschen, Kuchen und Dennis!), Irina Hutzler (Fotos!), Serenella (Orga!), Maestri Wurz und Kettenbach (für all die Unterstützung, die meine Reisen erst ermöglichen!), Clemens David (mir stets den Rücken freihaltend!), Christian Eckert (Wein!), meine Frau (Liebe und Geduld!), mein Sohn (dafür, dass es Dich gibt!) und letztendlich all meinen anderen Schülern (Uwe Balzcuweit, Ralf Ackermann, Mario Schmidt), die anwesend waren und vor allem allen Teilnehmern, die durch ihr Kommen Ad Arma! erst zu dem schönen Ereignis gemachten haben, das es wurde!

 

 

 

 

 

 

 

Das Referenten-Team bei Ad Arma! 2012 …

 

Roberto Laura, 04.10.2012, Neckarsulm

 

 

 

 

 

Scuola Fiorato

Die Blumige Schule mit Stock und Messer aus Calatabiano, Sizilien

 

Die Ankunft

Der Etna zeigte noch Lebensspuren, eine Art letzten Hauch, als ich am Donnerstag, den 26.April 2012 in Catania eintraf. Maestro Luigi Casale, mein Lehrer für die blumige Schule mit Stock und Messer aus Calatabiano, holte mich am Flughafen ab, um mich nach Naxos zu fahren. Die Sonne schien, wie nahezu immer, als Zeichen des Bundes der Götter mit dieser größten Insel des Mittelmeeres, über das geschichts- und kulturträchtige Sizilien.

Ich kam demnach an, aß, ruhte, schlenderte entlang der Promenade von Naxos, sog die salzige Meeresluft in meine Lungen, der Ausblick auf Taormina erfüllte meine Augen. Abends trafen wir auf Maestro Orazio Barbagallo, der mir all diese Kontakte ermöglichte, aßen Pizza, sprachen über dieses und jenes; alles war gut, das Training konnte beginnen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Meine  Wenigkeit, Maestro Barbagallo und mein Lehrer, Maestro Luigi Casale.

Das Training des Blumigen Stockes, Bastone Fiorato Moderno

Nach einer Überarbeitung der ersten blumigen Stockschule, widmete sich Maestro Casale der Verfeinerung der cumpassiata, dem „Stockspiel“ außerhalb der Mensur, den Schlagkombinationen und den dazugehörigen Paraden. Daraufhin wurde die zweite der drei Stockschulen in Angriff genommen. Während die erste Schule die Präzision fördert, schult die zweite Form des Blumigen Stockes verstärkt Dynamik und Fluss. Dieser Schule widmeten wir uns intensiv, da sie einige Schwierigkeiten aufweist, die, sofern diese falsch verstanden und ausgeführt werden, das Gesamtkonzept entsprechend beeinflussen. Es geht auch darum, was gewissen Aktionen versteckt innewohnt; Prinzipien und Konzepte, die dann auch entsprechend beim Messerkampf der Blumigen Schule zum Tragen kommen.

Der Messerkampf der Blumigen Schule, Fiorato Corto Tradizionale

Es handelt sich um eine sehr elegante, um eine „weiche“ Schule, deren Wuzeln sichtlich im Hirtenstock wie auch im klassischen Fechten des 19. Jahrhunderts liegen. Auch lassen sich die Einflüsse der spanischen Besatzer erahnen, da Grundzüge der spanischen Corrida bzw. des Flamenco durchschimmern.

Die Schule gliedert sich in wenigen kurzen Lektionen (ital.: lezioni), die den fechterischen Kern bilden. Nach der letzten Lektion mündet man direkt im Bewegungsspiel, welches dem Umlaufen des Gegners dient und auch dazu, diesen zu stellen bzw. in Fallen zu ziehen. Zu Beginn lernt der Schüler – dies ist aber in allen traditionellen Messerschulen der Region Catania der Fall, alle Angriffe zur Brust auszuführen (ital.: a petto), in den Körperkasten also, wo die verwundbarsten Organe des Menschen liegen; man spricht hier auch von der sogenannten scuola di sala (deut. Schule des Saals), welche eben den „Duellanten“ ein entsprechende ritterliches Verhalten abverlangt.

Auf diese Schule folgt die scuola da strada (deut. Schule der Straße), welche verstärkt Schnitte zu den Gliedmaßen wie auch Aktionen zum Gesicht des Gegners vorsieht, welche rein das Überleben in den Vordergrund stellt, fernab jeglicher Konvention.

Erfreulicher Besuch

Am letzten Trainingstag erschien Maestro Barbagallo unerwartet mit dem großen Meister des Messer Salvatore Scarcella, dem Maestro dei Maestri der traditionellen Kreisenden Messerschule aus Riposto. Der Maestro observierte zuerst mein Training. Anschließend folgten einige kurze Anekdoten aus seiner Blütezeit wie auch – und hier gilt ihm mein großer Dank! – Hinweise, Ratschläge und Korrekturen (aus einem Fundus von mehr als 50 Jahren an Erfahrung), um mein  Messerspiel weiter zu verbessern.

Der letzte Tag und meine Danksagung

Die Maestri Barbagallo und Casale wie auch meine Wenigkeit verbrachten diesen letzten wunderschönen Tag zusammen im prächtigen Garten des Maestro Casale, unter einer Pergola zwischen Oliven- und Zitronenbäumen, umgeben von Rosenbüschen. Im Blick stets der über Sizilien majestätisch thronende Etna. Wir tranken selbstgemachten Wein, aßen frisch zubereitete Pasta und Ragout mit Kartoffeln wie auch Früchte aller Art. Der letzte Tag war ein tag des Gespräches, der Freundschaft, des Miteinanders.

Mit etwas Wehmut bestieg ich pünktlich mein Flugzeug, um mich Richtung Heimat zu bewegen, zu meiner Familie, zu meinen Freunden und Schülern, um Ihnen, sofern ihr Herz danach verlangt, die Konzepte der wunderschönen Blumige Schule weiterzureichen.

Mein Dank gilt meinem Lehrer Maestro Luigi Casale, der sich um meine Fortschritte kümmert, mir die Aspekte dieser wunderbaren Tradition eröffnet, mir seine Zeit schenkt. Mein Dank gilt Maestro Barbagallo, der mir meinen Lehrer vorstellte und mir den Weg zu den Traditionen Siziliens ebnet. Mein Dank gilt erneut Maestro Scarcella für seine steten Ratschläge und dafür, mich regelmäßig zu besuchen, uns allen ebenfalls ein Mentor zu sein.

Roberto Laura, 30. April 2012

 

 

 

 

 

Sicilia Bedda

Von Stöcken, Arancini, Cannoli und Granita

 

Ein Reisetagebuch von Roberto Laura

Einleitung

Es waren die Sikeler (griech.: Sikeloi; ital.: Siculi), die sich gegen Ende des 2. Jahrtausends v. Chr. vom Festland Italiens kommend im Osten Siziliens niederließen, dort auf die Sikanen, die wohl ersten Bewohner der Insel,  stießen, diese besiegten und sich den Osten der Insel zu eigen machten.

Woher genau die Sikeler stammten ist bis heute ungeklärt. Einige Quelle vermuteten sie zum Volk der Phönizier gehörend, andere dachten, sie seien ein Stamm des minoischen Kulturkreises, wieder andere vermuteten, die Sikeler seien Teil der ligurischen Stämme gewesen. Wie auch immer, es handelte sich um eines der Seevölker, und bereits bei Merenptah (1213 – 1204 v. Chr.) wie auch bei Ramses III. (1221 – 1156 v. Chr.) werden die Sikeler erwähnt.

Natürlich vermischten sich die verschiedenen Volksschichten der Insel – Elymer, Sikanen und Sikeler -, um dann die Wurzel des Volkes zu bilden, welches unter der Herrschaft und dem Einfluss verschiedener Kulturen – die Geschichte ist bekannt – zu dem wurde, was wir heute als Sizilianer kennen.

Bereits auf antiken Vasengemälden finden sich Kämpfer mit Hirtenstöcken bewaffnet. Zur Zeit der Besatzung durch die Griechen, verteidigten die Einwohner Siziliens ihre Ländereien und Dörfer mit dem Stock, und auch gegen die französischen Besatzer waren es die Stockkämpfer, die ihr wildes Olivenholz und ihr Leben dem Stahl französischer Schwerter entgegensetzten.

Eben diese tiefreichende Kultur, dieses verwurzelte Wissen, diese Schätze an Erfahrungen waren es, die mich bewogen, der Einladung Maestro Barbagallos zu folgen und der wunderschönen und größten Insel des Mittelmeeres meinen Respekt durch meinen Besuch zu zollen, und über diese Reise zu berichten.

 

 

Samstag, 01. Oktober 2011

Da der Flug aus Sizilien verspätet in Frankfurt gelandet war, dauerte es auch entsprechend, bis die Maschine wieder Richtung Catania starten konnte. Kurzum: ich kam eine Stunde späte als erwartet in Catania an. Maestro Barbagallo, der mich persönlich abholen gekommen war, begleitete mich in das wunderschöne Giardini Naxos, zu einem kleinen aber sehr gemütlichen Bed & Breakfest, der Villa Maria in der Via Umberto – Vico Manganelli 7. Mein Zimmer besaß die Großzügigkeit, mir einen direkten Blick auf Taormina zu schenken, eine Perle unter den kleinen europäischen Küstenstädten.

Ausblick aus meinem Zimer

Vor dem zu Bett gehen nahmen wir noch einen Aperitif und gingen dann eine Pizza essen, um dabei, vor der Kulisse einer herrlichen Meerespromenade, über die Aktivitäten der kommenden Tage wie auch über Kunst, Geschichte, Stöcke wie auch über unsere künftige Zusammenarbeit inerhalb der A.S.A.M.I.R. (siehe Bastone Siciliano/ A.S.A.M.I.R.) zu sprechen.

Maestro Barbagallo und Roberto Laura. Im Hintergrund die Bucht von Giardini Naxos

 

Sonntag, 02. Oktober 2011

Morgens, nach einem kleinen Frühstück in der Bar Tysandros, ging es zur Halle des Maestro, um dort die erste Form (ital. scuola) der Scuola Rutatu Moderno, der neuen kreisenden Schule, zu korrigieren. Wir arbeiteten an der Schlaghöhe, der Schlaglänge, an der Tiefe des Standes und an der Reichweite der Sprünge. Später gesellte sich noch Maestro Luigi Casale zu uns, seines Zeichen Hauptverantwortlicher Mesiter der Scuola Fiorato Moderno, der neuen blumigen Schule, welcher sich dann als mein künftiger Lehrer rausstellen sollte. Nach einer Demonstration seinerseits war ich nämlich von der Schule des Fiorato Moderno sehr angetan und bat beide Maestri, ob es nicht möglich wäre, dass ich mich vermehrt dieser Schule widmen könne; der Wunsch wurde mir gewährt.

Am Nachmittag fuhr ich mit Maestro Barbagallo nach Riposto, um dort dem Maestro dei Maestri, dem Meister der Meister, der Messerschule des Rutatu Tradizionale vorgestellt zu werden, Maestro Salvatore Scarcella. Zu meinem Glück befand sich auf der Piazza auch der Meister der Meister U Scapellinu, Oberhaupt der traditionellen Rutatu Stockschule, wodurch mir die Ehre zu Teil wurde, zeitgleich beide Oberhäupter der traditionellen Rutatu-Schulen, Stock wie auch Messer, kennenlernen zu dürfen. Wir gingen mit den Maestri und einigen Freunden wie auch Verwandten in eine Garage, um dort über das Messer oder wie es auf Sizilien genannt wird, über den kurzen Stock zu „reden“.

Roberto Laura mit dem Maestro dei Maestri Salvatore Scarcella

Maestro Barbagallo, Maestro dei Maestri U Scapellinu, Roberto Laura, Maestro dei Maestri Salvatore Scarcella, Maestro Pippo di Mauro und der Enkel des Maestro Scarcella

Zuerst führte ich meine Schule vor, welche dann von Maestro Scarcella in Sachen sizilianische Bewegungskultur korrigiert wurde. Mir wurde die erste Schule des Rutatu Corto Tradizionale demonstriert, welche nur zur Brust gerichtete Angriffe aufweist (ital.: a petto). Weiterhin wurden mir die Unterschiede bezüglich Stand und Deckung erklärt, und auch das Kreislaufen wurde angesprochen. Letztendlich zeigte mir Maestro Scarcella, wie ich die scacciata, die Grundparade aller süditalienischen Messerschulen, auszuführen habe, um dadurch mehr Sicherheit zu erlangen.

Montag, 03. Oktober 2011

Der Montag begann mit einer Besichtigung Taorminas. Die Hoffnung, das griechische Theater sehen zu können, wurde mir durch die vom Euro verursachte Teuerungsrate verdorben; gewisse Sachen sollte man einfach nicht mehr mitmachen! Jedoch vertrieben die Schönheit der Altstadt, die Porta Messina, die Porta Catania, die wunderschön angelegten Gärten wie auch der unbeschreibliche Ausblick auf Giardini Naxos alle Enttäuschung schlagartig. Taormina ist ein Juwel, und eine Besichtigung kann ich jedem nur empfehlen.

Die Bucht von Giadini Naxos

In den Einkaufsstraßen Taorminas

Abends ging es dann zu Maestro Luigi Casale, um bei diesem die neue blumig Schule, die Scuola Fiorato Moderno, zu erlernen, welche es mir bereits am ersten Tage angetan hatte. Nach einem warmherzigen Empfang musste ich über eine Stunde am Stück die erste Form laufen, barfuß und auf einem alten Holzboden, sodass mir noch am nächsten Tag die Füße schmerzten. Das Eigentümliche dieser Schule ist die enge Führung des Stockes wie auch die wuchtigen Schläge und die wahrlich elegant, blumige Führung des Stockes, was jedoch nur durch wirklich harte Arbeit erreicht werden kann; Maestro Casale ist mir dahingehend um Lichtjahre voraus. Nach dem Ablauf der ersten Form erklärt mir der Maestro den Eigenschutz bei der Schlagschule wie auch den Einsatz der Hüfte, um die Schläge enger und wuchtiger führen zu können. Er vermittelte mir die Konzepte zur Überbrückung der Distanz, sei es durch Stichpositionen wie auch mittels einer systemspezifischen Methode der beidhändigen Stockhaltung, die aggressiv den Nahkampf sucht.

Den Abend beendete ich alleine in einem kleinen, am alten Fischerhafen gelegenen Restaurant bei Meeresluft und Pizza, um über die Eindrücke der ersten drei Tage zu sinnen.

Dienstag, 04. Oktober 2011

Morgens sind wir wieder nach Riposto gefahren und haben dort Maestro Santo Iraci, den Verantwortlichen Stockmeister der Scuola Rutatu Traizionale für den europäischen Raum getroffen. Man muss wissen, dass Maestro Iraci nicht nur ein Meister des Stockes, vielmehr auch ein hervorragender Handwerker und Stockmacher ist. Er war dann auch so nett, mir einen Stock herzustellen, den er mir dann am Tag meiner Abreise überreichen wollte.

Nach diesem Treffen sind wir Richtung Giardini gefahren, um dort eine typische Granita Siciliana, eine Art Creme aus püriertem Eis in jeweils Frucht, Schokolade, Mandel, Pistazie oder anderen Geschmacksrichtungen zu speisen; meine nahm ich `alla fragola´, also mit Erdbeeren, doppelt Sahne und einem Süßstück, welches in die Granita getunkt wird.

Nachmittags trafen wir uns erneut mit dem Maestro dei Maestri Salvatore Scarcella, der mich bei der Gelegenheit als seinen Schüler für das Messer der Scuola Rutata Tradizionale akzeptierte. Abends ging es wieder zum Training der Scuola Fiorato Moderno mit Maestro Luigi Casale. Wir arbeiteten an der cumpassiata, einem Bewegungsspiel außerhalb der gegnerischen Mensur und einigen dazugehörigen piante bzw. chiante, was für Fußsohlen steht und  sich positionieren bzw. sich in diversen Kampfstellungen platzieren bedeutet.

Maestro Casale bei einer zweihändigen Parade

Salto all`angiolina, der Sprung des Engelchen aus der ersten Form des Fiorato Moderno

Mittwoch, 05. Oktober 2011

Erneut ging es mit Maestro Barbagallo nach Riposto. Diesmal war der Zweck der Reise ein kulinarischer. In der Rösterei Boncaffè  erhielt ich vom Maestro als Geschenk eine frisch zubereitete und gemahlene Mischung an Kaffeebohnen, welche speziell für den heimischen Gebrauch zusammengestellt wurde; meine Bialetti freut sich bereits!

Nach einer kleinen Mittagsruhe ging es zu Training mit Maestro Casale, und wir wiederholten alle Trainingsinhalte mit Hilfe des Capo Sala Naro Karl, welcher seine zweiten Vornamen Karl der Tatsache verdankt, dass er in Deutschland geboren wurde. Nach dem Training nahm mich Maestro Casale offiziell als Schüler für Stock und Messer auf und übertrug mir, im Einvernehmen mit all den anderen Meistern der A.S.A.M.I.R., die Verantwortung für die Scuola Fiorato Moderno in Deutschland; dies alles wurde in einer kleinen Bar bei einigen kleinen Flaschen Messina Bier besprochen.

Maestro Casale und Roberto Laura, Schüler und Vertreter der Scuola Fiorato Moderno in Deutschland

Trainingsgruppe der Scuola Fiorato Moderno

Maestro Casale, Roberto Laura und Naro Karl, Scuola Fiorato Moderno

Donnerstag, 06. Oktober 2011

Vormittags hat mir Maestro Barbagallo freundlicherweise erklärt, wie man sizilianische Kampfstöcke herstellt. Dies geschah während einer langen Autofahrt, die u. a. dazu diente, mir die umliegenden kleinen Ortschaften näherzubringen.

Während der Mittagszeit nahm ich meine Apnoetauchausrüstung, um ein wenig im immer noch warmen Ionischen Meer die Fische zu stören. Ohne zu frieren, konnte ich eineinhalb Stunden im Wasser bleiben – und das im Oktober! Danach einen kleinen Spaziergang zur Piazza, um in einer Bar einen Arancini, ein frittiertes und mit verschiedenen Leckereien gefülltes Reisbällchen, zu kosten; Arancini sind eine sizilianischen Spezialität, die niemand, der sich auf Sizilien befindet, übergehen sollte. Daraufhin eine Granita, dann ausruhen, die Aussicht genießen.

Abends ging es dann noch einmal mit Maestro Barbagallo zum Training ins Freie, wo der Maestro mir einige Tipps und Kniffe mitgegeben hat, um meine Kampffähigkeit zu verbessern. Diese auf Stichpositionen aufgebaute Methode ist schlicht aber hochwirksam und stellt einen starken Kontrast zur cumpassiata, dem “spielerischen” Umlaufen des Gegners, dar. Es erstaunte mich zudem, dass die sizilianische Schule nicht nur wie die apulische Messerschule über die Halbmondschritte verfügt, den passi in mezza luna, um die Raummitte einzunehmen, sondern dass auch die Terminologie gleich ist.

Freitag, 07. Oktober 2011

Der letzte Tag war angebrochen. Ein kleines Frühstück in der Bar Tysandros, ein letztes Mal den herrlichen Ausblick von Giardini Richtung Capo Taormina genießen. In der Bucht befand sich ein alter Fünfmaster, was dem Ausblick die Krone aufsetzte.

Dann ging es zum Flughafen von Catania. Auf den Weg dorthin hielten wir noch einmal bei Maestro Santo Iraci, um den versprochenen Stock abzuholen. Maestro Iraci hatte sein Wort nicht nur gehalten, er hatte es verdoppelt: ich erhielt gleich zwei Kampfstöcke als Geschenk. An diser Stelle noch einmal mein größter Dank! Zudem war der Maestro so freundlich, mir zwei seiner persönlichen Techniken aus der Scuola Rutatu Tradizionale zu schulen; und ich musste versprechen, eine davon erst einmal nicht weiterzugeben.

Roberto Laura mit Maestro Santo Iraci (Mitte) und dessen Sohn. In den Händen halten wir die Stöcke, die mir der Maestro angefertigt hat

Ein letztes Mal trafen wir den Meister des Messers Salvatore Scarcella, der uns auf einen Caffè einlud. Und ich wurde dann aufgefordert, bei meinem nächsten Besuch mit ihm zum Fischen zu fahren. Dass ich Seekrank werde hat ihn nicht im Geringsten interessiert. Im Gegenteil, es freute ihn, mal wieder jemanden dabei zu haben, der ihm die Fische anfüttert.

Der Flug wurde ausgerufen, einen letzten Arancino und einen letzten Cannolo reingedrückt, und dann ging es nach Hause. Der Ausblick vom Flugzeug war beeindruckend, der Etna, die vorgelagerten Inseln. Innerlich verabschiedete ich mich von Sicilia Bedda, der traumhaften Insel im Mittelmeer, am südlichsten Zipfel Italiens.

Danksagung

An dieser Stelle gilt mein Dank allen Meistern, die mich freundlich aufgenommen und unterrichtet haben. Mein besonderer Dank gilt Meister Barbagallo, der mir den Zugang zu allen Schulen ermöglicht hat; Meister Scarcella, der mir die Möglichkeit bietet, die traditionelle Messerschule des Rutatu Corto zu erlernen; Meister Casale, der mir die Kunst der Stock- und Messerkunst des Fiorato Moderno lehrt und mein Hauptlehrer für sizilianischen Stockkampf ist.

 

Roberto Laura, 08. Oktober 2011

 

 

Bastone Siciliano

Die Schule des sizilianischen Hitenstockes von Maestro Orazio Barbagallo

Am 12. Juni 2011 fuhr ich mit Andrey und Pavel, meinen neuen Schüler aus Moskau, nach Saarbrücken, um dort u. a. auf Andrea Capizzi und dessen Lehrer, Maestro Barbagallo, zu treffen. Maestro Orazio Barbagallo unterrichtet die Tradition des sizilianischen Hirtenstockes – hier lehrt er eine Art Vereinigung der fünf urprünglichen Stockschulen der Insel: die rutatu, die missinisi, die riali, die sciuratu und die a battiri -, welchen er an diesen Sonntag den Seminarteilnehmern näherbringen wollte.

Nach einigen Aufwärmübungen schulte der maestro die scuola, die Schule bzw. die Form; danach folgten einige Schlag- und Parierübungen. Anschließend lehrte Maestro Barbagallo den etwas größeren Teilnehmern den palermitanischen Stock. Dieser ist sehr lang und schwer, was dazu geführt hat, dass er nur körperlich größeren Menschen gelehrt wird. Gegen Ende des Seminares war die scuola missinisi, die messinesische Schule (der Name der Schule ist der Entstehungsstadt Messina entnommen), an der Reihe. Dieser Stock hat Spazierstocklänge und wird entsprechend einhändig gefrührt. Es ist anzunehmen, dass der Einfluss auf die Franzosen und deren Schwert-/ wie auch Spazierstockschule zurückgehen könnte, die gegen Ende des 18. Jahrhunderts Sizilien beeinflussten.

Im Ganzen hat sich mir die Schule von Mastro Barbagallo als ein klar strukturiertes System dargestellt, dass frei von Spiel ist und sich dem widmet, was im Kampf mit dem Stock von belang ist. Mir hat vor allem die scuola rutatu gefallen, da diese vermehrt aus hohen Positionen heraus arbeitet und den Stock nahezu permanent in Bewegung hält.

Seminar in Saarbrücken mit Maestro Orazio Barbagallo (Mitte)

An dieser Stelle danke ich Maestro Barbagallo dafür, dass er uns in Deutschland besucht und uns seine Schule vorgestellt hat; Andrea Capizzi danke ich dafür, mich zu dieser Veranstaltung eingeladen zu haben; und in naher Zukunft werde ich auch die Einladung Maestro Barbagallos annehmen und diesen im wunderschönen Naxos auf Sizilien besuchen, um die sizilianischen Künste tiefer zu erforschen.

Roberto Laura

 

ENGLISH ARTICLES

TRADITIONAL ITALIAN KNIFE AND STICK TRAINING WITH MAESTRO ROBERTO LAURA

by Gregory Mele

 

Greg Mele and Jesse Kulla training in traditional Italian knife dueling.

 

This past weekend (actually, for the last five days), Forteza had the privilege of hosting Roberto Laura for an immersion in the world of Italian folk arts. For those who do not know Maestro Laura, after many years in traditional Asian arts, he has spent the last twelve years traveling back and forth from Germany to Italy to research, document and train in traditional Italian arts. I first became aware of his work from some internet forum posts by Tony Wolf, and then, about two years later was introduced by our mutual friend, Jorg Bellinghausen. Since Jorg was also responsible for recommending Roland Warzecha and Christian Eckert, I’ve learned to instinctually trust his opinions on what makes for a good martial artist.

This rather long review will give readers some sense of the arts themselves (I hope), as well as how they feel to a long-time student of Italian medieval and Renaissance martial arts.

PROLOGUE
From my first discussions with Roberto, he was friendly and open, explaining the nature and history of his arts, including that while many of them have traditional histories that are said to go back to the Middle Ages, as peasant traditions, none can truly be documented before about 1700, and all have obviously added, refined or adapted their curriculum over the years (for example, the introduction of boxing strikes in some lineages during the ’20s, or the introduction of more Asian style kicks in the ’70s). I was extremely impressed by Roberto’s dedication to a) preserving these arts, some of which only have one or two living teachers, b) documenting both their legendary and verifiable history and c)his dedication to track the alterations and evolutions of the art, and to faithfully transmit the art as his teachers have given it to him, but also to maintain knowledge of the traditional elements that may have been changed.

Sadly, there are many people who learn of a dead or dying martial art and graft its history and a few of its moves to a related Asian art they already know and “presto” they are a Spanish, Italian, Native American, even an Atlantean martial artist. Sometimes, this is painfully obvious (anyone ever seen Stav?), but other times a good fighter and salesman with just enough of something new can be successful selling snake oil. So, I am always cautions and skeptical, without being cynical.

Then I saw video of what Roberto taught. This sure as hell was *not* Filipino martial arts, nor even savate and la canne with Italian names. It was something else, and the guards, movements and sensibilities of the knife work had a “feeling” that was reminiscent of Bolognese swordsmanship, the stick was uncannily like a left-handed version of Fiore dei Liberi’s two-handed sword. NOT identical, but related in movement, tactics and footwork – much like you might think of how unarmoured sword might influence unarmoured staff; or more to the point, how the same *culture* might think about using such a weapon.

Roberto does not teach martial arts for a living, nor does he intend to do so, so he is fairly conservative about how often he travels abroad to teach. Fortunately, Jorg told him that we weren’t nutters, so when I asked him to come teach, he not only agreed to do so, but agreed to come early so that the Forteza instructors could really try to get down the basics of the system.

DAYS ONE AND TWO – PRIVATE TRAINING

“Il Castello Nicoletta”

 

Nicole Allen opened her magnificent Victorian home with its private sala d’arme to be Roberto’s home in Chicago, where he was joined by our dear friend Sean Hayes from the Northwest Fencing Academy. Nicole’s sala was where we all gathered to begin training. Roberto told us that we would start with the Scuola Cavalieri d`Umiltà or the Knights of Humility. This school derives from Manfredonia, Apulia (by tradition, from the 15th century). It is a highly elegant fighting system with the knife, shepherd’s staff and the razor. The footwork is circular and precise, using both an open and closed body position. (Armizare students – to understand the closed position, just think Fiore’s sword in one hand – it is identical.). The instruction includes two solo forms – one for each direction you walk the circle, and a series of partner training exercises, as well as a variety of specialized tactical instruction. Training begins with “la scuola”, which focuses on the use of the knife in the formal duel and then “la strada” – fighting in all contexts.

We spent a great deal of time learning the first form and its partnered applications. I can’t really explain in words how elegant the movement is – when you see video it seems florid, with hops or jumps that seem “dancey”. Then you see how they are used, and how they are meant to counteract the limitations of a knife – as Silver said, it cannot form sure wards. A knife is even worse than a dagger, as it has no guard, so you have to learn how to manage distance carefully, as well as how to thrust without running your own hand on the blade.

Officially, we were learning the first form and the basics of its application, both “la scuola” and “la strada”. In reality, we were learning how to move and how to *think* like an Italian knife-fighter.

Take away lesson of day one – fighting a knife duel with an 18″ knife is scary as hell. Second lesson – compared to Roberto, I move like a drunken baboon.

An Italian folding knife in the 19th century style. This long, elegant weapon is the sort of knife wielded in the Calvieri school.

 

On Day Two, we brought Roberto to Forteza, and showed off our little sala like proud papas. Then we got to work. First we reviewed Day One and then Roberto began to show us a new system: Scuola Fiorata- The Flowery School, from Calatabiano, Sicily. The weapons taught within this traditional dueling art are the shepherd stick and the knife. This lesson also gives a great insight into how living traditions evolve and change, because the Fiorata is technically a modern school, yet in many ways it is a return to older sensibilities. The school comes from a very old – and still living – tradition called the Scuola Rutatu (Circling School), but after WWII some masters of the system were concerned with the loss of close-fighting techniques and a transition to fast, but smaller, less powerful actions. They worked to create a new school that would counter Rutatu, producing a system which combines the elements of open and closed guards, dynamic assaults and unites the knife with the stick – the guards, blows, etc are *identical*.

We ended formal training on Day Two with Roberto giving us an historical discussion on the traditions: how the Flowery School was born and showing a comparison between it and the old school; explaining weapons and techniques that are known to have existed but which have been lost, and then discussing the traditions of knife dueling in southern Italy. The Cavalieri school was taught by both common people and the Camora, and he showed how the Camora used the dueling system in a series of multi-level initiations, which were like a combination of English Prize Play and Masonic initiation (except Masons didn’t sometimes use their ceremonies as a way to “whack” the candidate!).

Exhausted and happy, we did what we do best at the CSG – headed off to a favorite pub, to initiate Roberto and Sean in the mysteries of bacon-popcorn.

Take away lesson of day two – there is vast amount of martial culture and history that is still alive in southern Italy, but fading, and it is crucial not to let it be forgotten. Second lesson – compared to Roberto, I move like a drunken baboon.

DAYS THREE AND FOUR – SEMINAR
We had about seventeen people for the actual seminar, including three of my students from the Rocky Mountain Swordplay Guild. Sean, Keith, Trey, Jesse and I were tapped to be “teaching assistants” for Roberto, although it just reminded us of how green we really were.

Sean Hayes assists Maestro Laura in demonstrating techniques of the elegant Fiorata school.

 

The first day was Fiorata knife, a beautiful style (truly flowery), that also is clearly “fencing”. As I had noted with the Cavalieri school, this style uses what we think of as “classical” Renaissance Italian footwork: passes, inquartate, intagliate, girate, etc. It also has certain tactical sensibilities that are identical to advise of the Bolognese masters – such as playing from the left in what we might call guardia porta di ferro e stretta. Not to sound like Inigo Montoya, but if you have studied your Agrippa, Fabris or Manciolino, in the Fiorata school are not just the same *types* of actions, but the very same, if we consider a knife versus a sword.

To end the day’s training, Roberto introduced us to la Scuola Cielo e Meraviglia (the School of Heaven and Its Marvels) which also comes from Apulia, and is about two-hundred years old. This is a close-quarter fighting system which uses grips, joint locks, throws. As very old traditions these schools use a wide variety of daggers and folding knives, including cloak and dagger techniques and improvised weapons. Roberto made it clear that he is only a student of this tradition, and that he was introducing us to his current understanding of the system a passed to him by his teacher.

Although a younger tradition than either the Calvieri school or the roots of the Fiorata tradition, for historical martial artists, this tradition “feels” more like what we see in the medieval traditions: a direct, no-nonsense system of self-defense that also uses a variety of close-combat techniques and finishing moves. It is absolutely fascinating. Here is a short video clip that will give you some small feel for the tradition:

Finally, Roberto took mercy on all of us, and we adjourned to the Fountainhead for wonderful food and drink, and we fed our teacher polenta ala americana. His San Remo sensibilities were actually very impressed with the mix of crab and polenta, so I breathed a sigh of relief. I drove everyone back to Il Castello di Nicoletta and we had a little gelato to end the night at about 10 PM….but then Roberto had a few more things he wanted to show Sean and I…..

An amazing meal ala Americana – Belgian and German beer, crabmeat polenta, frites ala francaise, and good ol’ Yankee burgers! Best of all, good friends. (Little do Greg and Sean realize that they are not done training that night.)

 

I came away from day three with a much deeper understanding of how the Italian knife masters conceptualize the fight – things that seem like gymnastics for gymnastics sake, flowery purely for the sake of elegance, or restrictive because of the rules of “la scuola” – the first level of the training – all have sound martial, pedagogical or biomechanical principles. It also is some of the most beautiful “poetry in motion” I have ever seen, like a mixture of flamenco, tarantella and classical fencing. Second lesson – compared to Roberto, I move like a drunken baboon.

Day Four
Our fourth and final day was the Fiorata stick, and I truly am in love with this weapon. It is fast, powerful and although it has some resemblance to French baton, to me it is much more like a relative of the Japanese jo, the Italian longsword and the English and German staff (although as a shorter weapon, it lacks the ferocious power of the quarterstaff, which I still think may be one of Europe’s deadliest weapons in the hands of a master).

Roberto says that he is not as adept at the bastone as he is the knife, and if this is the case, then a master who specializes in the bastone must be a sight to behold! The weapon is not very heavy (although there is another school, the Royal School, who uses a weapon as thick as a man’s wrist!), which means it be wielded with great speed and, like a sword, swiftly change from one line to another. As the Fiorata school sees knife and stick as one art, the training on day three made day four much easier as we worked on the first form – an extremely long form, and only one of four.

I can’t begin to describe how much the stick feels like longsword done by a lefty. There are obvious differences – like using positions that have the arm has a shield for the head so that if you miss a defense, your weak arm takes the blow – something you can’t do against a sword. Likewise the stick strikes are the knee, hand or head only – against, because a stick is not a sword, nor is there a guard to defend the hands.

But having said that, the similarities are profound: the use of volta stabile and tutta volta, not just in principle, but in form; the use of a left leg lead while striking from the right side to create a bind; etc. Also, the guards are familiar: posta di finestra, posta di donna on both sides, but also posta di donna la soprana (used for more power, and to fight against multiple opponents), tutta porta di ferro and coda longa. When transitioning to fight close, the positions are primarily posta di vera croce, posta sagitarria and posta serpente lo soprano. Of course, there are only so many ways to wield a lever arm, but then you look at the tactics – like throwing thrusts from what we would call posta di donna (by “lifting the arms over the head”, and not the way most Fioreists think Fiore means that – Roberto’s way works much better).

The southern schools also all claim that their arts began in Spain, and here is where the pedagogy gets interesting. Although the long solo forms, or assalti, are modern, they are comprised of shorter tactical forms called “lines” or “rules”. One begins from the salute – done by starting with the staff point down, as if holding an armpit height sword with its point on the ground – and kicking it into guard, just as is done with the Iberian montante. Some of these rules include: fighting in a narrow corridor, fighting in a very narrow passage, fighting multiple opponents in an open place and fighting where four streets meet. Anyone who is familiar with Iberian swordplay recognizes at least three of those scenarios. The techniques aren’t quite identical, but they are very, very close. So close I started slipping into the wrong system a few times…

Tired but happy students of the Bastone Fiorata. A school of incredible fluidity, elegance and power – we all fell in love with the Sicilian stick!

 

FINAL THOUGHTS
Roberto was born in Italy but grew up in Germany, which means that he teaches with a German work-ethic; ie: we trained until we had to either eat or fall over, ate, and then trained until dinner, had a leisurely dinner where we wrote down terminology and took notes, then often did a little light training when we got home until it was time to collapse into bed so we could train again. It was mind-blowing, exciting, and exhausting, and between my notes and a dozen hours of video I hope I can keep it all straight. When everyone left on Sunday, Roberto asked that we not go out, but order dinner in, so the core students could train more – he wanted to make sure that he was leaving us with enough understanding to train on our own. So, after introducing him to Chicago-style pizza we took to the floor for a final two hours, as he assigned us to which schools he thought we should each focus on first. In the end, we really only stopped because the students simply could no longer differentiate a quacciatura from a calamari.

This seems like a long review, but it is only a touching of the surface. If it seems like I am gushing, it is because I am. This was the best martial arts training I have had …. possibly ever.

First lesson – there is a wealth, no, a treasure hoard of knowledge in these folk arts for anyone who calls himself an historical Italian martial artist, so much so that I will from now on think of my work with Armizare and Bolognese swordplay as BR and AR – before I met Roberto, and after I met Roberto. Put another way, if you study Armizare or Renaissance swordsmanship and do NOT take the opportunity to see what these traditions hold, and the oral teachings that a living tradition can provide about stance, body movement, etc, you are doing yourself a serious disservice. Just as there are a handful of old boxers and Catch wrestlers who are custodians of a wealth of knowledge for English martial artists, the rural and often “backward” nature of southern Italy has allowed it to keep alive arts that I am truly convinced come from the same family as the more patrician arts we seek to recreate.

Second lesson – compared to Roberto, I move like a drunken baboon.

Final lesson – even if that first lesson was not true, the Cavalieri and Fiorata schools are traditional martial arts of such great beauty, elegance and sophistication, deeply tied to the land and culture of their birth, that I will take every opportunity to study them, not just to help my HEMA studies, but to make sure that they continue into the next generation.

 

Gregory Mele, Chicago, USA

 

 

Entering the Flowery Knife

The Scuola Fiorato, the traditional knife school from Calatbiano, Sicily

 

Introduction

The flowery school from Calatabiano, Sicily, (ital. Scuola Fiorato) is all about elegance and precision. The weapons taught within this traditional dueling art are the shepherd stick and the knife. This school has its roots within the circling school from Riposto (ital. Scuola Rutatu), but then after WWII some masters dropped the circling school creating a counter school to it, a system which combines the elements of open and closed guards, dynamic assaults and – especially for the knife – classical Italian fencing and concepts which can be found also within the Spanish corrida and/or the flamenco.

While this visit in april 2012 my teacher, Maestro Luigi Casale, first corrected my stick positions, my hits and parries and also the first stick form of the system. Then we worked on the second form which forces the aspects of dynamics while striking and moving, and we also covered all the appropriated strike and parry exercises.

 The Flowery Knife

The next days we started working on the traditional Flowery Knife (ital. Fiorato Corto Tradizionale). We covered all the required lections, the concepts and tactics of open and closed guards, the basic fencing structure and the cutting actions as also the rules of the typical Sicilian duel. The teaching starts with so called lections (ital. lezioni). The lections cover all basic fencing movements: the straight thrust, the left and right hand parry (ital. scacciata), the feint and the triangle thrusts to fix the opponent. Thereafter the cumpassiata follows. The cumpassiata is the way to move around the opponent by using different positions and invitations. Herein will be taught also all the essential tactics to fight a duel: pressing the opponent, drawing him into traps and so forth.

 

Enjoying sun and pasta

In between training my teacher Maestro Casale, the head of the ASAMIR Maestro Barbagallo and myself enjoyed the sunny days going into Maestro Casales beautiful garden eating homemade pasta and ragout, talking about the future of traditional Sicilian stick and knife fighting, about martial culture but also about the depresses political situation in Italy – especially in southern Italy – due to Montis austerity measures.

 

 The last day

The last day we have been visited by Maestro Luigi Scarcella, the master of the masters of the traditional circling knife (ital. Rutatu Corto Tradizionale). The maestro has been that kind giving me some very interesting and important advices regarding how to behave while dueling.

 Acknowlegdment

I would like to thank Maestro Luigi Casale for teaching me the Fiorato school, Maestro Barbagallo for opening all those doors to me and Maestro Scarcella for his precious advices.

Roberto Laura, May 2012

 

 An Italian in Moscow

Roberto Laura teaching his friends in Moscow the traditional Apulian knife fighting concepts and the traditional Sicilian arts of dueling as taught within the A.S.A.M.I.R., the number one Sicilian federation for preservation of those cultural jewelries.

 

Introduction

Between the 28 th and the 30th of October 2011 I have been invited to Moscow for giving a 2-day-seminar. The topic has been the Sicilian stick fighting system Fiorato Moderno, my teacher here is Maestro Luigi Casale, and the Apulian knife fighting system of the Cavalieri d`Umiltà, which I have learned from the maestri Giuseppe Vuovolo and Luciano Trimigno. Further I have been asked to give some impressions of the Sicilian knife fighting school called Rutato Tradizionale at least as far as I have the permission to; my teacher here is Maestro Salvatore Scarcella.

Moscow the beautiful

After landing Andrey and Feel, two of my hosts, picked me up from the airport driving me all the way to Moscow, where I had the honour to live as guest in Andreys flat. Moscows city highway is impressive, and even more impressive are the nearly daily traffic jams which seem to never end. Moscow itself is beautiful, enormous. Due to the traffic jams we always had to take the subway with its wonderful stations; in Russia they call the subway simply metro. From Andreys flat to the gym we had to travel for about 45 minutes.

Roberto Laura, Andrey and Pavel in the subway of Moscow.

In Moscow you will find such many and big sized spots, restaurants, coffeehouses and shops that you would be able to spend an entire live just eating, drinking, spending money and having fun. Life is pretty expensive there, at least if you are not used to live in London.

The seminar – first day

The seminar went well. First we covered the very basics of the Bastone Fiorato Moderno. This Sicilian school uses besides of the knife also the shepherd stick as a weapon. After World War II some Sicilian masters from Calatabiano, a little town in the east of the island, developed some new tactics and changed their fighting system just to beat their traditional sister schools of the area. They took the guards higher, changed the flow of the stick, put in some more beauty and finesse and toped up the whole thing by adding a two-handed close quarter fighting method for slipping under the opponents guards or blows.

The Fiorato Moderno consists of 5 stick-forms and the knife. Both weapons of this school – the stick and the knife – are extremely elegant and flowery, but at the same time aggressive, focused and efficient fighting systems.

Saluto, the salutation.

Corridoio stretto, the tight corridor.

Salto dell`angiolina, the flight of the little angel.

Quadrato liscio, the smooth square.

Passi ballerinu, the steps of the dancer.

After training the Sicilian stick we kept on going with the knife school from Manfredonia (Apulia), the school of the Cavalieri d`Umiltà. This school is a pure dueling and at the same time simple system, which does not take that much time to learn. Basically is is made out of five elements: punta, parata, gioco, finta e calcio (engl. thrust, parry, game, feint and kick); additionally the cut then will be taught. Here we covered the first form, some guards, the thrust and the basic parry, the so called mezzo ponte (engl. half bridge parry).

Around with the guys

In the evening we went to the Red Square. I was overwhelmed by the beauty and the size of it, the Kreml, St. Basil`s … just take a look at the pics:

Roberto Laura, Andrey and Pavel.

Feel, Roberto and Andrey.

We had then some meal in a nice place (unfortunately I have forgotten the name of the spot), drank some beer and vodka, and then went to Andreys flat where he finally gave me some good tea and also some lessons in Combat Sambo until 04:00 a.m..

The seminar – second day

The second day we repeated the Fiorato Moderno stick system, trying to cover the first 5 figures of the form. After that we completed as much as possible from the Apulian knife with all the fighting stances, angling concepts and attacking and countering actions and also the simple but effective close-quarter prison system called alla galeotta. Then I did explain some points of the Siclian knife school Rutatu Tradizionale, which implies very tight guarded positions and explosive stances. This school is mainly free of flowery movements, concentrating completely on some few actions to penetrate the oppononents guard.

The Italo-Russian Knife and Stick Connection.

Leaving on a jet plane

I have left Moscow by taking a shuttle-train which leads directly to the airport. I won`t forget my time there with the guys. Especially I would like to thank Andrey, Pavel and Feel for the invitation, the hospitality, their kindness and the friendship they offered me!

Roberto Laura

 

 

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